Warum brauche ich so ein Teil?

Warum eigentlich? Es gibt den Deutschen Wetterdienst, eine Bundesoberbehörde, die das beruflich und unter Aufwendung von ganz viel Steuergeld betreibt. Die letzten Jahrzehnte hat sich der Markt liberalisiert und wir haben mittlerweile noch viel mehr Wetterdienstleister, die einem direkt auf dem Smartphone genau sagen, was das Wetter macht. Blöd ist nur, dass sich das Wetter nicht immer an die Vorhersage der Prädikatsmeterologen der oberen Bundesbehörde hält. Das liegt an der Dichte des Messnetzes. Wenn ich beispielsweise die Daten der BASF Agrarwetter-App heranziehe, die für meine Region die erfahrungsgemäß beste Prognose liefert, dann muss ich wissen, dass diese Berechnung auf zwei Stationen des DWD beruht. In Stuttgart am Flughafen und in Stötten auf der Schwäbischen Alb. Blöd nur, dass das was am Stuttgarter Flughafen gemessen wird auf der anderen Seite einer Bergkette liegt und deshalb alles was von Südost an Niederschlag kommt den Stuttgarter Flughafen definitiv erreicht, mein Haus aber in einem 20km breiten Regenschatten zwischen Remstal und Albhochfläche liegt. Der Stuttgarter Flughafen liegt übrigens 30km (Luftlinie) von mir entfernt in einem klimatisch völlig anderen Mikrobereich. Um das irgendwie auszugleichen nimmt man eine zweite Wetterstation her, die steht in Stötten. 300 Höhenmeter über meinem Haus auf der Schwäbischen Alb, ca. 20km entfernt und genau zwischen der Wetterstation Stötten (~650m NN) und mir (~350m NN) die höchste Erhebung der Ostalb, das Kalte Feld mit 781m NN. Was da drüben passiert interessiert mich gar nicht. Das habe ich aber erst verstanden, als ich aufgehört habe der Wetter-App Glauben zu schenken und mich mit dem Wetter beschäftigt habe. Darum habe ich eine eigene Wetterstation und beobachte mein Klima vor Ort. Wetterdienste liefern mir wertvolle Hinweise und Daten zu nationalem und globalem Wetter. Aber solange der Algorithmus der Wetter-App noch nicht kapiert, dass trotz fallendem Luftdruck und aufziehendem Wind in Bettringen nix passiert solange die Gewitterzelle aus Ulm kommt und sich um uns herum bewegt, solange habe ich Freude und Interesse daran, dass selbst zu beobachten.

Die Idee

Nach langen Jahren mit einem ALDI-Dingens (Auriol), wollte ich die Daten nicht nur sehen, sondern auch aufzeichnen und auswerten. Nach einer Anfrage im Bekanntenkreis über Facebook, bei der ich erste wichtige Hinweise bekam und mir zahlreiche Wetterstationen aus dem weiteren Bekanntenkreis vorgestellt wurden kam dann irgendwann auch der Hinweis auf das Forum für die Leute die das Quasi-Professionell betreiben www.wetterstationen.info. Von dort ging es dann irgendwann weiter auf die Seite von Werner Krenn, www.pc-wetterstation.de. Die Seite sieht zwar optisch aus als stamme sie aus den 90ern, aber nach Meinung der "Profis" schreibt Werner die beste Auswertungssoftware auf dem Markt: WSWin32. Die Oberfläche stammt auch noch aus den 90ern und man sieht, dass er mehr Wert auf die Daten als auf das Design verwendet. Da sind auch einige Fehler drin, die optisch das Endergebnis verschlechtern.

Beschaffung

Letztlich wurde mir aber gesagt, Weber, dass was du willst, nämlich:

  • Temperatur innen
  • Temperatur aussen
  • Luftdruck
  • Luftfeuchte innen
  • Luftfeuchte aussen
  • Windrichtung
  • Windstärke
  • alles auf PC aufzeichnen und speichern
  • vom PC online stellen

dafür kaufst du Dir die NEXUS von TFA Dorstmann und nimmst WSWin32 als Auslesesoftware. Beim großen Internetkaufhaus des Vertrauens kostete der Spaß ca. 180 Euro. Dazu kamen zwei Rohrschellen 1/2" mit passenden Stockschrauben um damit ein ebenfalls erworbenes 2m 1/2"-Rohr an die Garage zu nageln. Damit ist den internationalen Anforderungen an Wetterstationen (10m über Grund) nicht genüge getan, aber ich habe nur wenig baulichen Einfluss auf den Wind, bin immerhin 5m über Grund und nur im Südosten Windschatten durch Bebauung. Aber daher weht es bei mir eh wenig.

Installation

Dank Prime-Account der besten Ehefrau der Welt lag das Zeug am nächsten Tag in der Werkstatt und nach einem kurzen Besuch beim Flaschner des Vertrauens zwecks halbzölligem Rohrmaterial ging es an die Installation. Das Set besteht aus mehreren Teilen:

Interface

Das eigentliche Display hängt über meinen Monitoren im Büro. Es hängt am Strom und per USB am Rechner. Es zeigt alle Werte plus die Uhrzeit (Funkzeit), zusätzlich kann man die Meereshöhe und den Standort einstellen (Berechnung Luftdruck Normalnull und Sonnenstand) Es hat auch einen Standfuß und kann abgestellt werden.

Regenmesser / Windmesser

Der Regenmesser ist einfach ein kleiner Kübel, den man lotrecht aufstellt. Bei mir steht er auf dem Dach der Garage, Entfernung zum Büro Luftlinie 25m, dazwischen eine 32er Ziegelwand aus Hohlblocksteinen. In den 8,5 Monaten Betrieb hatte ich einen Verbindungsabbruch zur Station. Profis verdoppeln die Eintrittsfläche um genauere Ergebnisse zu erreichen. Jo. Kann man machen. Oder auch nicht. Man kann auch das Ding über Bastellösung beheizen, damit man Schnee direkt als Wasser durch das Messzeug bekommt. Da es mir aber eher auf die Wassermenge ankommt, die den Boden erreicht und ich nicht der Deutsche Wetterdienst bin steht das Ding eben da und misst was als Wasser von oben durch das Messzeug läuft. 

Beim Windmesser war die große Frage, wo stell ich das Ding hin? Norm ist, dass das Ding bis x Meter freistehend in 10m Höhe angebracht werden sollte. Das wäre bei mir optimalerweise ziemlich genau in der Mitte der Kreisstraße Waldstetten-Bettringen mit einem 25m-Mast zu realisieren. Das ist zum Einen ziemlich viel Stahl, zum anderen hat das Landratsamt sicher etwas dagegen. Ich habe das Teil wie beschrieben 2m über Oberkante Flachdach Garage montiert und bin in die Hauptwindrichtungen soweit frei, dass ich Luftbewegung von Orkan unterscheiden kann. Und ein paar Stufen dazwischen auch noch. Das reicht mir. Ich will ja Rückschlüsse aus den Messungen ziehen und keine Rekorde amtlich dokumentieren. Die Einrichtung war recht simpel. Mit dem Schlagbohrer zwei Löcher, zwei Stockschrauben rein, zwei Schellen ran und ein 2m 1/2"-Rohr montiert. An der Spitze drohnt der Regenmesser, montiert mit den mitgelieferten Schellen. Er verfügt über Batterien, hat aber zusätzlich ein Solarmodul. Bisher (8,5 Monate Laufzeit musste ich noch keine Batterien wechseln, auch nicht an den Komponenten ohne Solarmodul - alles AA-Batterien, hü). Die Ausrichtung des Moduls (damit er die Windrichtung erkennt ist nach Betriebsanleitung einfach zu vollziehen, ich habe eine Kompass-App auf dem Handy verwendet. Auch hier kommt es mir nicht auf das letzte Grad an, sondern auf die Windrichtung.

Aussensender

Der Außensender dient dazu die Schattentemperatur und die Luftfeuchte außen zu erfassen. Kleines Kästchen, 2x AA-Batterien. Ich habe ihn in eine Fensterlaibung gehängt. Manchmal bekommt er bei je nach Jahreszeit morgens/abends für eine Stunde Sonne ab. Das ergibt einen kleinen Peak und ist nicht professionell. Mir reicht es. Die Temperatur (Sonne) wird übrigens auch durch den Windmesser mit erfasst.